Eine Momentaufnahme wird lebendig

2016 führte die Baker-Street-Chronicle-Redaktion einen Schreibwettbewerb unter ihren Lesern durch. Die Grundlage aller Geschichten war eine alte Fotografie, die eine Frau und ein Kind zeigte und jeder Geschichte ging dieselbe Einleitung voraus. Wir stellten die Frage: welches Geheimnis birgt diese Fotografie? Die Beilage enthält sechs Pastiches verschiedener Autoren, die die Geschichte von Lyzzie und Ilma erzählen.

Die Geschichten können nun im Pastiche-Archiv nachgelesen werden. Wir wünschen ein schaurig schönes Lesevergnügen!

  • „Die Geschichte von Lyzzie Adams“ von Arnika Leuker
  • „Eine bemerkenswerte Frau“ von Kerstin Binggeli
  • „Das Gesicht“ von Heike Gellert
  • „Die Tochter“ von Peter Wayand
  • „Lyzzie und das Baby“ von Stefanie Wecker
  • „Der Fall der sonderbaren Fotografie“ von Colin Zemp

Einleitung:

Holmes saß schon beim Frühstück, als ich ins Zimmer kam. Er hielt eine Fotografie in der Hand und betrachtete sie mit dem Vergrößerungsglas.
„Ah, Watson. Was halten Sie hiervon?“
Er reichte mit das Foto, noch bevor ich mich gesetzt hatte. Ich schaute mir das Foto genau an. Es zeigte ein junges Mädchen mit weißer Schürze und einem Baby auf dem Schoß.
„Vermutlich ein Kindermädchen. Hier steht noch ‚My Ilma 7 month old‘.“ Ich drehte das Bild um.
„Ja, genau. Hier steht es ja: Lyzzie & Baby‘. Mmmh, merkwürdig, hier steht noch in Bleistift angemerkt: ‚My Ilma‘ und dann noch zweimal ‚Ilma 7 month‘. Seltsam, Holmes. – Ah, das Foto wurde ’95 aufgenommen. Wahrscheinlich in der Regent Street. Was ist damit, Holmes? Ein neuer Fall?“
Ich gab ihm das Foto zurück.
„Gute Frage, Watson. Ich bin mir nicht sicher. Das Foto wurde heute Morgen in diesem Umschlag bei uns eingeworfen. Auf dem Umschlag steht nur: ‚Mr. Holmes – Help‘. Die Buchstaben wurden aus der Times ausgeschnitten. Das ist alles, was ich bis jetzt herausfinden konnte. Die Handschriften muss ich noch analysieren.“
Er legte die Fotografie neben seinen Teller und widmete sich dem Frühstück.
„Und jetzt? Was machen wir?“ wollte ich wissen. Es schien, als ob ich neugieriger war als Holmes.
„Ich weiß es wirklich noch nicht“, gestand er.
„Wir können doch Ihre Straßentruppe einsetzen, Holmes“, schlug ich vor. „Vielleicht können die ja etwas herausfinden.“
„Bessere Idee, Watson. Wir geben das Rätsel an die Leser des Baker Street Chronicle weiter. Vielleicht hat ja einer Zeit, sich mit der
Sache eingehender zu befassen, um eine Erklärung zu finden.“

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